Das ursprünglich aus der Architektur in den 1960er Jahren entwickelte Konstruktionsprinzip des Tensegrity – ein Kunstwort aus Tension (Spannung) und Integrity (Integrität) – spiegelt in verblüffender Weise viele biologische Reaktions- und Interaktionsaspekte wider. Im Besonderen basierend auf den Arbeiten von Donald E. Ingber u. a. an der Harvard Medical School und später am Wyss Institute for Biologically Inspired Engeneering der Harvard University konnte das Prinzip des Tensegrity auch als Erklärungsmodell in der Funktionsweise unseres Organismus etabliert werden.
Arbeiten des amerikanischen Orthopäden Stephen M. Levin, der den Begriff Biotensegrity einführte, erweiterten das Konzept von der zellulären auf die makroskopische Ebene des Gesamtorganismus. Auch Erkenntnisse aus der Faszienforschung sind mittlerweile in die Übertragung des Tensegrity-Modells auf Eigenheiten und Eigenschaften des Menschen eingeflossen.
Befunde in der osteopathischen Medizin lassen sich ebenso wie osteopathische therapeutische Interventionen in erstaunlicher Weise durch das Tensegrity-Modell im wahrsten Sinne begreifen und behandeln.
In diesem Kurs erfolgt eine Darstellung des Konzepts bezogen auf anatomische und physiologische Aspekte von der Zelle bis zum Gesamtorganismus. Die „klassischen“ osteopathischen Zugangsformen zur viszeralen, parietalen und cranialen Ebene werden unter einem tensegralen Blickwinkel interpretiert und in Teilen umbewertet. Durch die Vermittlung einer „tensegralen Palpation“ erfolgt eine Integration der Befunde und Festlegung einer Behandlungsstrategie. In Summe soll so, mit viel hands-on, eine zusätzliche konzeptionelle und palpatorische osteopathische Behandlungsoption vermittelt werden.
Dozent: Dr. med. Stefan Giesswein, D.O. DAAO (Köln) – Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, Sportmediziner, Akupunktur, Chirotherapie; Tätigkeitsschwerpunkte: Manuelle Medizin nach den Prinzipien der Osteopathie und sportmedizinische Betreuung von Fitness-, Breiten- und Wettkampfsportlern.
Teilnahmevoraussetzung: Osteopathen mit abgeschlossener Ausbildung (BAO, EROP oder vergleichbar)
Kurszeiten: Fr 10.00-18.00 Uhr, Sa 9.00-18.00 Uhr, So 9.00-13.00 Uhr (22 UE)
Gebühr: 560,00 € (DAOM-Mitglieder: 535,00 €)
